Le Corbusiers Farben und kt.COLOR

Die Ausstellung «Le Corbusier und die Farbe» des Museums für Gestaltung Zürich im Pavillon Le Corbusier ist sehr empfehlenswert. Sie ist nicht nur ein Erlebnis für die Sinne, sondern bietet auch aufschlussreiche Einblicke zum Verständnis und Wirkungen der von Le Corbusier eingesetzten Farben. Es macht uns stolz, dass die kt.COLOR Farbmanufaktur für diese Ausstellung das Farbmaterial bereitstellen durfte. Warum das so ist, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Bild: Polychromie Le Corbusier Fächer von kt.COLOR, der bis 2010 verfügbar war.

Erforschung der Farben von Le Corbusier

Seit nun mehr als 20 Jahren erforsche ich, Karin Trautwein, Gründerin der Farbmanufaktur kt.COLOR, als Naturwissenschaftlerin die Farben und Farbkonzepte von Le Corbusier. Im Rahmen dieser Arbeiten wurden 81 Rezepturen für Farben hervorgebracht, die Le Corbusier nachweislich in seiner Architektur einsetzte. Angefangen hat alles 1999 mit einem Farbfächer, welcher von Arthur Rüegg herausgegeben wurde. Der Farbfächer umfasste 63 monochrome Tapetenmuster, die Le Corbusier 1931 und 1959 für die Tapetenfabrik Salubra zu zwei Tapetenkollektionen zusammenstellte. Die von Le Corbusier verwendeten Farben unterschieden sich von den Farben in anderen, gängigen Farbfächern auf Anhieb deutlich: sie waren tiefer, mächtiger und in sich harmonischer. Ich analysierte jede einzelne dieser 63 Farben und erforschte deren Zusammensetzung. Gestützt auf meine Forschungsarbeit entwickelte ich erstmals Rezepturen zur Reproduktion dieser besonderen Farben. Zudem gab ich jeder dieser Farben eine eigene Farbbezeichnung, die sich von der Bedeutung der Farbe, ihrer farbgebenden Pigmente oder Ausmischung ableiten lässt. Weder Le Corbusier noch die Tapetenfabrik Salubra haben das getan.

Das Le Corbusier Tapetenmusterbuch von 1931 mit echten, aufgewalzten Farbanstrichen.

Kostbare Originalpigmente als Grundlage unserer Farben

Die Farbpigmente auf den Tapetenmustern liessen sich eindeutig bestimmen und auch ausfindig machen. Wie wollte ich aber Le Corbusiers Farbenwahl begreifen, wenn ich statt der ursprünglichen natürlichen und mineralischen die heute üblichen künstlichen und organischen Farbpigmente einsetzen würde?

Da mit diesen heute üblichen Farbpigmenten die von Le Corbusier gewünschten Wirkungen nicht zu erzielen sind, stand deren Einsatz für mich nie zur Diskussion. Ich beschloss also, die Farben mit der Farbmanufaktur kt.COLOR aus den traditionsreichen Originalpigmenten herzustellen. Dies stellte uns zwar vor grosse Herausforderungen und in einem Fall mussten wir sogar den weltweiten Restbestand eines Farbpigments aufkaufen, der Einsatz hat sich jedoch gelohnt. Unsere Farbrezepturen waren materiell und qualitativ mit denjenigen von Le Corbusier vergleichbar. Sie haben die damalige Direktorin der Le-Corbusier-Stiftung so begeistert, dass sie uns für zehn Jahre die Rechte zur exklusiven Nutzung des Le Corbusier-Schriftzuges erteilte. So starteten wir mit der Entwicklung von Tubenfarben für Bemusterungen und der Produktion von Farbfächern mit handgestrichenen Mustern.

Bild: Ein Künstlerfarben-Set, Januar 2000. Die Resonanz war riesig.

Die mit Le Corbusier-Schriftzug versehenen «Polychromie Le Corbusier» Farben der kt.COLOR Farbmanufaktur wurden in Handarbeit hergestellt und überzeugten aufgrund der von Le Corbusier verwendeten Originalfarbpigmente mit ihrer satten, aus der Tiefe leuchtenden Farbgebung. Sie zeichneten sich jedoch nicht nur über den Farbton aus, sondern machten die Farben aufgrund ihrer Haptik, mikroskopischen Zusammensetzung und inneren Harmonie zu einem ganzheitlichen Sinneserlebnis. Dadurch haben sie weltweit Aufsehen erregt und fanden insbesondere auch grossen Anklang in Kunst und Architektur. Selbst der New York Times waren sie einen Artikel wert.

Originalqualität oder blosse industrielle Nachmischung?

Von dieser Aufmerksamkeit versuchten auch andere Farbenhersteller zu profitieren. Sie erweiterten ihre bestehenden Farbsysteme mit Le Corbusier-Farbsystemen und bedienten den Markt mit industriellen Nachmischungen, die zumindest annäherungsweise die Farbtöne von Le Corbusier reproduzieren sollten. Da nicht auf Originalpigmenten basierend, verfehlten diese Nachmischungen jedoch die von Le Corbusier gewünschten Wirkungen. Nichtsdestotrotz waren die Folgen für die kt.COLOR Farbmanufaktur weitreichend. Das Angebot an sogenannten «Le Corbusier Farben» nahm rasant zu und wurde unübersichtlich. Quasi über Nacht bezeichneten sich Farbenhersteller und Malerbetriebe Le Corbusier Farbspezialisten, erstellten zahlreiche, teilweise doch sehr enttäuschende Nachmischungen. Als Folge des Marketingwunsches vom Namen Le Corbusier zu profitieren, gibt es heute Uhren und Heizradiatoren in nachgeahmten Le Corbusier Farben zu kaufen, obwohl Le Corbusier seine Farben nie so verwendet haben wollte. Die Individualisierung unserer Farben wurde dadurch zunehmend schwierig. Hierzu beigetragen hat auch der Umstand, dass einzelne Farbenhersteller – ob vorsätzlich oder in gänzlicher Unkenntnis der Herkunft kann dahingestellt bleiben – auch weitere, von Le Corbusier unabhängige Farbentwicklungen der kt.COLOR Farbmanufaktur, wie z.B. die beliebten Farben Lapislazuliweiss und Ultramarinblau Y3, als sogenannte «Le Corbusier Farben» und Teil ihres Le Corbusier-Farbsystems anpriesen und vertrieben.

Bild: kt.COLOR Pigmente. Von oben links im Gegenuhrzeigersinn Rubinrot, Kobalttürkis, Nero Roma, Nero vite, Umbra gebrannt, Goldbronze, Kupferbronze.

Der Kern unseres Schaffens

Wir wollten nicht länger Teil dieser Entwicklungen sein. Wir entschieden uns deshalb im Jahre 2011 unsere Farben nicht mehr mit dem Le Corbusier-Schriftzug zu vertreiben und uns als Farbmanufaktur voll und ganz auf den Kern unseres Schaffens auszurichten. Dieser definiert sich über die traditionsreichen und hochwertigen Farbpigmente, die handwerkliche Farbenherstellung und unsere stimmigen Farbkonzepte. Im Fokus steht dabei stets, im Raum das Schöne hervorzuheben und mit gezielten Kontrasten das Licht zu optimieren. Unseren Forschungsergebnissen zufolge hatte Le Corbusier genau das mit seinen Farben im Sinn.

Unsere Farben tragen heute deshalb zwar nicht mehr seinen Schriftzug, erzielen aber die von Le Corbusier gesuchten Wirkungen. Das ist es, wofür wir als Farbmanufaktur kt.COLOR für unsere Kundinnen und Kunden einstehen und weshalb unsere Farben für die Ausstellung «Le Corbusier und die Farbe» in Zürich ausgewählt wurden. Wir schätzen diese Auszeichnung unseres Schaffens durch die Ausstellungsmacher sehr.

Katrin Trautwein, Mai 2021

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Kundenstimme

"Es braucht ein bestimmtes Bewusstsein um deine schönen Pigmentfarben in ihrem ganzen Spektrum wahrzunehmen und wertzuschätzen. Deine Bücher und Vorträge können dieses Bewusstsein erwecken."

RP, Maler